Dienstag, 29. Dezember 2015

Ich frage mich



Von Anna Gusella 

Ich frage mich…



Was ist das nächste Wagnis?

Gibt es ein Leben ohne Alltag?

Kenne ich mich selbst am besten?

Sollte ich mehr Geheimnisse haben?

Bin ich faul?

Wie misst man Glück?

Kann man durch Nachdenken allein zu neuen Erkenntnissen kommen? Wirklich?

Sind wir die Summe unserer Erfahrungen?

Kann man Fantasie verlernen?

Bin ich vorbereitet?

Machen Vorurteile das Leben leichter?

Bin ich frei?

Können Gegenstände sprechen?

Lebe ich oder existiere ich nur?

Hat alles ein Anfang und ein Ende?

Ist es besser, wenn man sich nur auf eine Sache konzentriert?

Muss man ehrlich sein?

Beeinflusst Sprache meine Gedanken?

Was wäre wenn…?

Sehe nur ich das?

Ist das alles nur in meinem Kopf?

Sind Entscheidungen der Gegenwart wichtiger als Entscheidungen der Zukunft?

Warum macht Zeit mir manchmal Angst?

Ist Unwissenheit Freiheit?

Ist Struktur hilfreich?

Brauche ich mehr Struktur?

Sind wir alle nur zu sehr mit uns selbst beschäftigt?

Und warum wird man mit dem Alter immer ängstlicher?

Was habe ich zu verlieren?

Bin ich mir selbst am nächsten?

Gibt es ein Leben ohne Alltag? Bedeutet Alltag Kontrolle und Sicherheit? Sehne ich mich nach Kontrollverlust oder macht es mir Angst?

Bin ich abgestumpft?

Habe ich einen Platz im Leben?

Ist Vergessenes unwichtig?

Bin ich überlebensfähig?

Liegt es in der Natur des Menschen, sich nicht gut entscheiden zu können?

Sollte ich Prioritäten setzen?

Würde mir mehr Natur guttun?

Lebe ich ein oder mehrere Leben?

Ja? Nein?

Können wir uns schlecht entscheiden, weil es mehr Möglichkeiten gibt?

An was glaube ich?

Was bleibt?

Leide ich unter meinem Verstand?

Was bedeutet Potenzial?

Nutze ich mein Potenzial?

Was ist der Unterschied zu Talent?

Wie finde ich das heraus?

Kann sich das entwickeln oder ist es angeboren?

Bin ich vorbereitet?

Kann man sich vorbereiten?

Passe ich mich an? Sollte ich?

Wovor habe ich eigentlich Angst?

Bin ich ein Kind?

Wie kann ich sein?

Was will ich sein?

Sollte ich sein?

Wie will ich sein?

Wo will ich sein?

Wie bin ich?

Wer bin ich?

Was ist Wahrheit?

Sollte ich?

Wie unterscheidet man „wichtig“ und „unwichtig“?

Habe ich Angst vor den Konsequenzen meiner Entscheidung?

Bin ich nützlich?

Sollte ich mehr Geheimnisse haben?

Könnte ich in einer Fantasiewelt glücklicher leben?

Gibt es einen Fixpunkt?

Was bedeutet mir Besitz?

Ist alles möglich?

Alles eine Frage der Interpretation?

Warum suchen wir nach Bedeutung?

Was ist bedeutungsvoll?

Bin ich im Moment zufrieden?

Habe ich zu hohe Erwartungen?

Führt mein Körper ein Eigenleben?

Bin ich meinen Träumen näher gekommen?

Bin ich egoistisch?

Wann habe ich das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan?

Leben wir in einer Zeit der Beschleunigung?

Sollte ich der Welt mehr Beachtung schenken?

Ist der Schein nicht auch Realität?

Was ist genug?

Sind meine Bedürfnisse von außen diktiert?

Bin ich kompliziert?

Freitag, 23. Mai 2014

Die FAZ inkludiert nur wenig

Mit dem Titel "Grenzen der Inklusion" wirft Heike Schmoll von der FAZ einen kritischen Blick auf die Debatte zur Inklusion eines Schülers, der wohl nicht die Voraussetzungen mitbringt, in einem Gymnasium beschult zu werden.

Bei recht vielen Wörtern von Heike Schmoll zucke ich zusammen. Wenn sie beginnt mit "Wer behinderte Kinder wirklich ernst nimmt ..." zeigt sie bereits, dass sie, im Unterschied zu den "radikalen Befürworter(n) der Inklusion", die Wirklichkeit begriffen hat. Woher weiß Frau Schmoll, wie es in Wirklichkeit ist? Die maßlose Arroganz, wie sie über "behinderte" Kinder spricht ist ungeheuerlich und ich vermute, dass sie selbst nicht weiß, dass sie nichts weiß.

Frau Schmoll liefert ein gutes Beispiel dafür, wie konservative Beobachter_innen ticken, in deren Sicht es sowieso ausschließlich LehrER und SchülER geben.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Include me out



Zunächst möchte ich einen Verdacht äußern: Weil es für Individuen immer schwieriger wird sich in der (post)modernen Gesellschaft gut aufgehoben zu fühlen, wird das Problem und damit verbundene Unbehagen (Hilfe! Ich kann mich nur noch als Dividuum beschreiben!) rhetorisch mit Inklusionssemantik bekämpft. Das wird aber genauso wenig klappen, wie der Versuch „Moral“ in die Unternehmen hineinzutragen.

Dieser Verdacht schwingt bei mir immer mit, aber er drängt sich nicht so stark auf, dass ich nicht auch noch die spannenden Aspekte der Inklusionsdebatte mitbekomme. Als systemischer und systemtheoretischer Dilettant ist die Diskussion geradezu herausfordernd. Als Systemiker_in misstraut man schon grundsätzlich individuumzentrierten Ansätzen und schaut eher auf die Bedingungen dafür, dass jemand ein bestimmtes Verhalten zeigt. So sind natürlich die Jugendlichen nicht benachteiligt, schwierig, problematisch sondern der Kontext ermöglicht ein Verhalten, dass als schwierig, … beobachtet werden kann. Zur Konstruktion des benachteiligten Jugendlichen gesellt sich also stets die Umwelt und die Beoachtung oder, wenn man noch will: die/der Beobachter_in. Wenn nun Inklusion eher auf Struktur-, Institutionsbedingungen schaut, die Teilhabe ermöglichen, finde ich das prima und mal etwas anderes. J

Als Systemtheoretiker_in kann man die Unterscheidung Inklusion/Exklusion als Supercodierung der Gesellschaft lesen, wobei Exklusion eigentlich nicht beobachtbar ist, denn sobald man die Exkludierten beschreibt/beobachtet/benennt, werden sie gesellschaftlich relevant und sind damit inkludiert. Das soll nicht zynisch klingen, aber ich gebe gerne zu, dass „uns“ das beim Thema Jugendsozialarbeit und Inklusion nicht weiter bringt. Und auch auf der nächsten Differenzierungsebene „Funktionssysteme der Gesellschaft“, als da wären: Politik, Wirtschaft, Religion, Wissenschaft, … wird es noch nicht griffig. Erst auf der Differenzierungsebene „Organisationen der Gesellschaft“ kann man ausloten, weshalb es (auf den ersten Blick) leicht ist, Behinderte und Schulen zum „Paradedual“ für Inklusionsdebatten zu machen und weshalb es recht schwierig ist, Exklusionen und Unternehmen (Organisationen) zu besprechen.
Organisationen sind aus meiner Sicht die Exklusionsmaschinen schlechthin. Während das „Wirtschaftssystem“ noch jede_n einschließt (Alle haben Geld, können zahlen, oder eben nicht, aber dann sind sie als Schuldner hochrelevant.) öffnet die Organisation nur wenigen „die Tür“. Bevor man Mitglied einer Organisation wird, muss man ACs durchlaufen, Tests schreiben, Vorstellungsgespräche überstehen, Probezeiten managen, befristete Verträge, dann wird man wieder entlassen und alles fängt von vorne an.

Das scheint auch sinnvoll, denn das Unternehmen braucht Mitarbeiter_innen die NÜTZLICH sind und dem Unternehmenszweck aller Voraussicht dienen. Man kann nicht irgendjemanden „von der Straße nehmen“ – Juwelen (Best Performer) wollen gefunden werden.

Die Schulen „ticken“ aus meiner Sicht nur ein wenig anders. Schulen sind ja eine bizarre Veranstaltung an der beide Seiten (Lehrer_innen – Schüler_innen) nur teilnehmen können, wenn sie jeweilige „Indifferenzzonen“ akzeptieren. Es war z.B. immer klar, dass man am Gymnasium nur mit guten Noten aufgenommen wird. Niemand bezweifelte das, bis vor wenigen Tagen ein Down-Syndrom-Grundschüler verlauten lässt, das Gymnasium besuchen zu wollen. Und er will es nicht besuchen, weil er sich für so clever hält wie die anderen, sondern weil er weiterhin mit seinen Grundschulkamerad_innen spielen und lernen möchte. Da muss das Gymnasium ja beleidigt sein, denn es geht nur am Rande um das Gymnasium. Im Mittelpunkt steht der Gedanke des gemeinsamen Lernens. Der Wunsch des Jungen (oder sind es eher die Eltern, Elterninitiativen…) lässt das Gymnasium „heiß laufen“ und führt den Gedanken von inklusiven Schulen ad absurdum. http://bildungsklick.de/a/91112/streit-mit-down-syndrom-auf-das-gymnasium/

Dienstag, 1. April 2014

Radiobeitrag: Wir inkludieren die Nicht-Behinderten

Herrliche Überschrift: Wir inkludieren die Nicht-Behinderten
Anhand der Überschrift kann man erahnen, wie paradox die Inklusion funktioniert und nur funktionieren kann. Inklusion selbst ist nie inklusiv sondern fundamental exklusiv, denn sie unterscheidet. Ist ja auch banal.

Montag, 31. März 2014

Donnerstag, 20. März 2014

Inklusion, Exklusion, Schule, Jugendberufshilfe

Zwar bin ich im Moment nicht in der Lage, die losen Fäden zur Inklusionsdebatte für mich sinnvoll zu ordnen, aber dennoch möchte ich hier "seitlich" einsteigen und auf bedeutende Unterschiede in der Diskussion zur Inklusion "behinderter" Schüler_innen und den "benachteiligten" Jugendlichen der Jugendberufhilfe hinweisen.
Kompliziert könnte man so starten: 1. Schulen sollen nicht mehr ausgrenzen und integrieren, sondern Bedingungen schaffen, dass alle schulpflichtigen Kinder/Jugendliche am Regelbetrieb teilnehmen können. Nicht die Schüler_innen sollen irgendwie "passend" gemacht werden, sondern die Schulen schaffen die Voraussetzungen für die Teilhabe aller individuell verschiedenen jungen Menschen.
2. Bildungsträger, die junge Menschen als Maßnahmeteilnehmer_innen zugewiesen bekommen sind damit vergleichsweise fundamental andere Organisationen als Schulen und folgen auch einem anderen Auftrag. Die Bedingung für den Start einer z.B. berufsvorbereitenden Maßnahme ist die Exklusion junger Menschen durch ausbildende Unternehmen. Unternehmen zeichnen sich ja im Unterschied zu Schulen dadurch aus, dass sie frei, rational, irrational, entscheiden dürfen, wen sie in Ausbildung nehmen und wen nicht. Und dass viele Jugendliche, die (noch) hohen Hürden der Organisationen nicht nehmen können führt dazu, dass die stellvertretenden Inklusionsorganisationen (Bildungsträger) mit ihrer Arbeit beginnen können. Sie haben den Auftrag, die von den Unternehmen exkludierten Jugendlichen als "Adressen" soweit "aufzubereiten", dass die Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Inklusion anbieten. Die Jugendberufshilfe hat, so könnte man sagen, mit "richtiger" Inklusion nur mittelbar etwas zu tun. Sie lebt von den Exklusionen anderswo und kann allenfalls sekundäre Inklusion anbieten.

In beiden Inklusionsfeldern Schule und Bildungsträger arbeitet man nicht mit kompletten Personen, Individuen oder gar Menschen und weil ich die wirklichen Menschen nicht antaste, erlaube ich mir eine vielleicht zu ironische Beschreibung. In beiden Kontexten (Schule/Unternehmen) bleibt die Arbeit auf bestimmte Zuschnitte/Rollen von Jugendlichen beschränkt. Und hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Frage, was man alles meint, wenn man von gesellschaftlicher Inklusion spricht. Wenn man von einem Unternehmen als Mitarbeiter_in inkludiert wird, hat man es dann "geschafft"? Gehört man dann zur Gesellschaft? Ist man dann gesellschaftlich inkludiert? Ist man dann wertvoll?
Und anders: Kann man von Unternehmen erwarten, dass sie Bedingungen schaffen, dass prinzipiell jede_r teilhaben kann? Gleiche Bedingungen sind ja nicht dann geschaffen, wenn man vegetarisches Essen anbietet und eine Rampe für Rollstühle installiert. Unternehmen wollen nur die Besten und diskriminieren damit die Nicht-Besten.

Freitag, 11. Oktober 2013

Wie integriert ist meine Oma?



Am Mittwoch habe die Integrationskonferenz Ratingen besucht. Abgesehen davon, dass ich die Veranstaltung prima fand und den Vortrag von Prof. Dr. Klaus Bade gerne gehört habe, blieben meine Gedanken doch sehr an dem Begriff der Integration hängen. Dazu ist sicherlich bereits alles gesagt. Herr Bade hat sich, wenn ich mich recht erinnere, auf eine Definition von Michael Bommes bezogen, der mit Kriterien operiert. Es gibt alle möglichen Definitionen, gerade aktuell wird die Unterscheidung Integration/Inklusion häufig in den Blick genommen. Meine Kritik setzt an zwei Punkten an:
Die Vorstellung, man könne sich in die Gesellschaft integrieren oder nicht, weist auf ein Bild der Gesellschaft hin, dass eine überschaubare Zahl von Menschen in den Blick nimmt, eine Gruppe, deren Teil man ist oder nicht. Ist die (deutsche) Gesellschaft eine Ansammlung von Menschen auf einem abgrenzbaren Territorium? Mit einem solchen Verständnis, auch wenn es vielleicht etwas differenzierter gebaut ist, kommt man soziologisch nicht weiter. Wenn man „die“ Gesellschaft theoretisch nicht fassen kann, weil einem die Sprache fehlt, dann sollte man erst gar nicht von Integration sprechen.

     Wie integriert ist meine Oma in die Gesellschaft? Sie nimmt nicht Teil am Bildungssystem, sie kauft nicht ein, sie ist nicht erwerbstätig, sie nimmt nicht am öffentlichen Leben teil,…
Niemand würde eine Integrationsdebatte an die Situation vieler exkludierter Menschen anschließen.
Integration ist immer die Messlatte, die gelegt wird, wenn es um Menschen mit MH (migrationshintergrund) geht. Die „Mehrheitsgesellschaft“ lässt die anderen über das Stöckchen „Integration“ hüpfen und entscheidet dann, ob es geklappt hat. Die Messlatte kann nach Belieben verändert werden, und der Diskurs über gelungene Integration wird immer von der „Mehrheitsgesellschaft“ geführt. Es ist ein Herrschaftsdiskurs, der mir übel aufstößt und ich würde mir wirklich wünschen, dass Integrationskurse nicht Integrationskurse heißen, sondern dass sie im Titel bereits darauf hinweisen, worum es denn konkret geht (Sprache? Recht? Geld?).

Abgesehen davon, dass der Gedanke der Integration mit einem unterkomplexen Verständnis von Gesellschaft einhergeht, sollte alleine die offensichtliche und immer mitschwingende Asymmetrie (hier wir, die Deutschen, dort die integrationswilligen, -unwilligen Ausländer) Grund genug sein, über Integration lieber zu schweigen.Vielleicht müsste man vielmehr den Begriff der Inklusion etwas von der Debatte behinderter/nicht behinderter SchülerInnen lösen und untersuchen, wie Inklusion von Personen in Organisationen beobachtbar ist. Denn wenn wir eben nicht die großen Worte über "die Gesellschaft" wählen, dann landen wir auf der spannenden Ebene der Organisationen, die völlig eigenmächtig, ungerecht, eigennützig entscheiden können (müssen), wer Mitglied sein soll und wer nicht.